Ein Kind der anderen Art

Mein Ex war Angler und immer für ne Überraschung gut. Die Badewanne war immer gut gefüllt, entweder mit Köderfischen, Karpfen oder sonstigen schwimmenden Exemplaren die ich erstmal rauskäschern musste wenn ich baden wollte :aufreg::panic:

Eines Tages kam er nach Hause, machte die Jackentasche auf und drückte mir was flauschiges in die Hand. Ein Entenküken ! Einen Tag alt und ganz alleine, die Mutter wurde überfahren :weinen:Ich war sofort verschossen in das kleine Etwas das jede Menge Platz in meiner Hand hatte. So schnell wird man Entenmama.

Wie es sich für eine Mutter gehört hab ich erstmal einen Schlafplatz für Quietschi hergerichtet, so nannte ich sie, eine Steroporkiste mit vielen Handtüchern ausgelegt und in Sicherheit gebracht, denn zwei Katzen belagerten ja auch noch unseren Haushalt . Dann kam auch schon die nächste Frage auf: Was frißt das Kind? Ich hab mich dann mit einem Handtuch bewaffnet, Brot zerbröselt und da die Entenmamas ihre Kinder ja auch immer füttern hab ich mir immer einen Krümel zwischen die Lippen geschoben und das kleine Ding hats dann rausgeschnäbelt.Ansonsten stellte ich immer ein Tellerchen mit nem bissle Wasser und Brot ins Nestchen. Nun durfte außer Fische dann auch mal ne Ente in meine Badewanne, denn die mußte ja auch mal planschen.:kicher:

Wer sich in der Tierwelt ein wenig auskennt weiß, das die Kleinen der Mutter immer hinterher laufen und das war das lustigste in der Wohnung. Damit sie auch laufen konnte bin ich mit ihr immer in die Küche und Tür zu. Jetzt war allerdings der Küchenboden für die Kleine sehr rutschig und egal wo ich hinlief, sie folgte mir. Bewegungsfördernd hab ich dann in der Küche mit ihr Wettrennen gemacht auf diesem rutschigen Boden :lachen: Ein Bild für Götter und zum schlapplachen, ich saß regelmäßig tränenlachend auf dem Fußboden :004:Das war wirklich ne schöne Zeit, denn abends war kuscheln angesagt und sie war sowas von verschmust, aber wie das im Leben so ist gehen auch schöne Zeiten mal vorbei.

Quietschi wurde mit der Zeit immer größer und wir wohnten ja in einer Mietwohnung, keinen Garten oder Swimmingpool , also hieß es Abschied nehmen, denn sie sollte ja auch wieder mit ihren Artgenossen um die Wette quaken können.

Ich packte sie in eine große Reisetasche und fuhr mit ihr zum Park mit See in der Stadt und dann ging das Drama los.Schon im Bus guckten die Leute komisch weil die Reisetasche quakte und dann am See waren ich / wir, der Hingucker schlechthin :lachen: Ich nahm also das schimpfende Entenkind aus der Tasche und trug sie zum Wasser und in meiner Naivität war ich der Meinung sie würde sich freuen. Pusteblume, ich konnte gar nicht so schnell gucken wie die wieder an meiner Seite war, das Spielchen wurde dreimal erfolglos wiederholt. Also suchte ich mir einen anderen Platz, dichtes Gestrüpp und ne kleine Mauer auf die ich mich legte um das Kind ins Wasser zu lassen. In dem Park war richtig was los, alle guckten uns zu wie ich versuchte zu entkommen, denn sobald sie im Wasser war wollte ich weg. Auch an der Mauer wiederholte sich das Spiel. Ich sah mittlerweile aus wie Sau, war nass und hing auf der Mauer. Jedesmal wenn ich dachte jetzt klappt es, stand das Kind wieder da und schrie mich an . Mir hat das Herz geblutet, ich hab mit den Tränen gekämpft aber ich mußte hart bleiben.

Irgendwann hatte sie dann echt den Schnabel voll, war stinksauer und stand mitten auf dem Weg und hat geschimpft wie ein Rohrspatz. Gott sei Dank, denn länger hätte ich nicht mehr durchhalten können. Ich hab mich dann rumgedreht und hab mit dem Wissen das Richtige getan zu haben heulend das Weite gesucht.

Ich denke oft an sie und hoffe das es ihr gut ergangen ist.

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Stolpern ist auch eine Art der Fortbewegung